Die Historie des Automobilwerk Eisenach

Aus Wiki.W311.info
Wechseln zu: Navigation, Suche

Material- und Bilder-Suche

Zur Ausstattung des Artikel fehlen Bilder und Grafiken:

  • Fahrzeugwerk Eisenach (FFE)
  • Älteres Dixi-Emblem

Beide Logos sind hier zu finden:

http://www.ame.eisenachonline.de/scripts/angebote/1094

  • Älteres BMW-Logo

Die Markenzeichen hatten unterschiedliche Schriften mit verschiedenen ausgeprägten Serifen und unterschiedlich weiten Abständen der Schrift-Zeichen.

  • Fragen gibt es auch zu dem EMW-Logo.

Neben dem hier gezeigten gibt es noch eine Variante mit EMW-Schriftzug in der Mitte. Siehe:
http://www.rezbach.de/4images/details.php?image_id=2268

Wurden die Logos zu unterschiedlichen Zeiträumen verwendet oder an unterschiedlichen Produkte eingesetzt?


Alte Fotos aus FFE, Dixi, BMW, EMW und Wartburg-Zeiten

  • Stadtarchiv ESA?
  • Alte Fotos der Kriegs-Auswirkungen
  • Bilder aus dem Werk (Produktion, Konstruktion)
  • gerne auch Bilder aus den Zweig-Werken (Dresden, Meerane, Karl-Marx-Stadt)

...und natürlich wären auch sonst Fotos willkommen, damit nicht "überall" die gleichen Bilder auftauchen...

DANKE


Der VEB Automobilwerk Eisenach (AWE) war einer der ältesten und traditionsreichsten Automobilhersteller in Deutschland. Das 1896 als Fahrzeugfabrik Eisenach gegründete Werk fertigte die legendären Dixi und wurde 1928 von den Bayerischen Motoren Werken (BMW) übernommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Verstaatlichung. 1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach und produzierte ab 1955 den Wartburg.

Die Fahrzeugfabrik Eisenach

Der Ingenieur, Erfinder und Industrielle Heinrich Ehrhardt gründete am 3. Dezember 1896 unter Beteiligung eines Bankenkonsortium die Fahrzeugfabrik Eisenach (FFE). Ehrhardt hatte bereits 1878 die Metall- und Waffenfabrik in Zella St. Blasii (Zella-Mehlis) und 1889 die Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik AG (heute Rheinmetall) [1] in Düsseldorf gegründet und als "Kanonenkönig" von sich reden gemacht.

Das Grundkapital der neuen Gesellschaft betrug 1.25 Millionen Goldmark und Ehrhard konnte einen Anteil von 31,2 Prozent des Aktienkapitals aufbringen.

Nachdem in Eisenach anfänglich Geschütze und Fahrräder der Marke Wartburg hergestellt wurden, folgte bereits 1898 die Produktion des ersten Wartburg-Motorwagen. Angeboten wurden zwei Varianten:

  • mit luftgekühltem Zweizylindermotor (dieser Motor bestand eigentlich aus zwei gekoppelten Einzylindermotoren)
  • mit wassergekühltem, stärkerem Motor.

Beiden Aggregaten war das Zweitakt-Prinzip gemeinsam.

Das stimmt möglicherweise nicht! 
In einer AWE-Festschrift zum 80. Jubiläum ist nicht von Zweitakter die Rede!
Zeitgenössische Werbung für den Wartburg-Motorwagen aus dem Jahr 1901

Das Auto erinnerte (durchaus zeitgemäß) stark an eine Kutsche. Heinrich Ehrhardt hatte für den Zweizylinder die Lizenz von der französischen Societé Decauville Ainé erworben.

Die Kundschaft der Eisenacher war sehr exklusiv, was bei Preisen ab 3500 Goldmark kaum verwundert. Für die wassergekühlte Ausführung hatte ein Käufer sogar noch 450 Goldmark mehr zu zahlen. Schon damals gab es eine Aufpreisliste, die es in sich hatte :

  • Schirmständer an der Seitenwand
  • Hupe (mit Gummiball)
  • geflochtene Seitenverkleidungen
  • Azetylenlampen
  • Lederpolster
  • Regenverdeck mit Klappmechanismus

Nicht nur die Presse lobte den neuen Wagen, auch die Erfolge im Rennsport bestätigten die Eisenacher. Besonders schätzte man den "geruchlos arbeitenden Motor des gefälligen Gefährts". Mit einer Leistung von 5 PS war das Fahrzeug auch durchaus zeitgemäß und souverän motorisiert. Die Rennversion, von 1899, verfügte über 8 PS. Ab 1902 beschäftigte man sich bereits mit der Produktion von Elektroautos und war der Zeit (wie so oft) weit voraus...

Mit Erfolg baute man in Eisenach auch Lastkraftwagen. So ist der erste Petroleum-Tankwagen Deutschlands ein Wartburg gewesen.

Die Fahrzeugfabrik Eisenach war damit nach den Firmen "Daimler-Motoren-Gesellschaft", "Benz & Cie." und "Dürkopp & Co." das vierte Unternehmen in Deutschland mit einer Automobilproduktion.

Ehrhardts Sohn Gustav leitete das Werk in Eisenach, das schon Ende des 19. Jahrhunderts mit 1.300 Arbeitern zu den Großbetrieben in Thüringen gehörte.

1903 und 1904 waren schwere Jahre für das Unternehmen. Die Verkaufszahlen gingen zurück. 1903 trat Gustav Ehrhardt nach finanziellen Verlusten und Meinungsverschiedenheiten mit den Hauptaktionären von der Firmenleitung zurück. 1904 folgte ihm sein Vater, wobei dieser die Rechte an der Decauville-Lizenz mitnahm und in Zella St. Blasii 1903 die Ehrhardt-Automobil AG gründete.

Die Dixi-Ära

Ein Sommertag in Berlin...
Alte Ausführung der Dixi-Kühlerfigur

Im selben Jahr gab die Fahrzeugfabrik Eisenach den Markennamen Wartburg auf. 1904 entstanden erste eigene Neukonstruktionen. Die Produkte erhielten den neuen Markennamen Dixi, der aus dem Lateinischen stammt und bedeutet "Ich habe gesprochen". Für die technische Entwicklung der neuen Modelle "Dixi" zeichnete jetzt der Chefkonstrukteur Willi Seck verantwortlich.

Unter dem Marken-Namen Dixi wurden hochwertige Automobile und Lastkraftwagen gebaut.
Dixi-Automobile, wie beispielsweise als Flaggschiff der Vierzylindertyp Typ "U 35" von 1907 mit 7.320 cm³ Hubraum, über 65 PS Leistung und 85 km/h Höchstgeschwindigkeit, zählten bald zu den renommiertesten Wagen und schufen sich durch ihre hohen Fahrleistungen und ihre Zuverlässigkeit einen guten Ruf. Das Dixi-Modellprogramm enthielt hauptsächlich mittelstarke und beinahe vorwiegend große, repräsentative Automobile.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam die erst in Schwung gekommene Automobilproduktion wieder zum Stehen. Der Fahrzeugfabrik Eisenach wurde die Herstellung ziviler Fahrzeuge untersagt und Rüstungsgüter mussten gefertigt werden. Heereslastwagen, Munitionswagen, Sanitätskraftwagen, Feldgeschütze waren nun bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die Eisenacher Produktpalette. Nach den Krieg wurden Einrichtungen von der Alliierten Kontrollkommission demontiert.

Die Dixi-Werke überstanden den Krieg, allerdings konnte nie wieder an die glanzvolle Zeit angeknüpft werden.
Erst Ende 1919 wurde die Automobilproduktion wieder aufgenommen.

Das neue Dixi-Logo mit Zentaur

Im Verlauf von Nachkriegs-Wirtschaftskrise und Inflation kam es im Mai 1921 zur Fusion der Fahrzeugfabrik Eisenach AG mit der Gothaer Waggonfabrik AG. Das Werk firmierte jetzt unter dem Namen "Fahrzeugfabrik Eisenach, Zweigniederlassung der Gothaer Waggonfabrik AG". Später lautete die Bezeichnung "Fahrzeugfabrik Eisenach (Dixiwerke)".
Zur gleichen Zeit änderte sich auch das Dixi-Logo. Die Kühler-Figur wurde abgelöst durch den Zentaur, einem Fabelwesen aus Mensch und Pferd.

Wachsender Konkurrenzkampf, allgemeine Wirtschaftmisere und die Verstrickung in die "Schapiro-Krise", in deren Verlauf die Automobil-Industrie erheblichen Verwerfungen ausgesetzt war, betrafen auch die Dixi-Werke. Man entschied sich daher für eine Abkehr von den großen Auto-Modellen und 1927 wurde ein Wechsel der Modellpolitik vollzogen.
Mit dem Kleinwagen 3/15 DA 1 wurde kurzerhand auf eine Lizenz des seit 1922 in England erfolgreich gefertigten zweisitzigen Austin 7 zurückgegriffen.
Der 3/15 war ein einfaches kleines Fahrzeug mit Vierzylindermotor und dem Erscheinungsbild eines richtigen Automobils. Mit diesem Fahrzeug konnten sich die Eisenacher rasch aus der Misere befreien. Der Lizenzvertrag mit der Austin Motor Company galt für Produktion und Vertrieb zwischen dem 1. Januar 1927 und dem 31. Dezember 1932.

BMW in Eisenach

Der Motorrad- und Flugmotorenhersteller BMW wollte gegen Ende der 1920er Jahre in die Automobilproduktion einsteigen und suchte ein konkurrenzfähiges Produkt, um eine langwierige Eigenentwicklung zu umgehen. Man entschied sich für die Fahrzeugfabrik Eisenach, die zu dieser Zeit mit dem DIXI 3/15 DA (Deutsche Ausführung) sehr erfolgreich war.

Im November 1928 erwarben die Bayerischen Motoren Werke AG die Fahrzeugfabrik Eisenach ("Dixiwerke") für 800.000 Reichsmark in BMW-Aktien und 200.000 Reichsmark in bar von der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Gothaer Waggonfabrik. BMW steig damit erstmals in die Automobilproduktion ein.

Als "BMW Zweigniederlassung Eisenach" endete 1928 die Selbstständigkeit und damit später die bekannte Marke "Dixi".
Der populäre neue Dixi 3/15 wurde in BMW 3/15 PS umbenannt. Der Name erklärt sich durch die Motorleistung von 15 PS. Die drei ergab sich aus einer komplizierten Berechnung der damals üblichen Steuer-PS. Beim 3/15 gab die Berechnung über Hubraum und Zylinderzahl den Wert 2,84 – aufgerundet eben 3.
1931 erfolgte bereits die Produktion des 25.000 Kleinwagens vom Typ BMW 3/15, der in vier Modellen (DA 1 bis DA 4) gebaut wurde. 1932 ließ BMW den Lizenzvertrag mit Austin wenige Wochen vor der Einführung des eigenen 3/20 AM-1 auslaufen. Dieser wurde in mehreren Stufen weiterentwickelt und bis 1934 als AM-4 gebaut.
1933 wandte sich BMW von der wenig rentablen Kleinwagenproduktion ab und begann die Entwicklung und Produktion neuer Automobiltypen mit 6-Zylinder-Motoren zwischen 1,2 und 3,5 Litern Hubraum.

Das erste Fahrzeug dieser Baureihe war das Cabrio BMW 303.
In Folge wurden bis zum Jahre 1941 so bekannte Typen wie BMW 315, BMW 319, BMW 326, BMW 327, BMW 335 oder der elegante und erfolgreiche Sportwagen BMW 328 mit einer Gesamtstückzahl von 62.864 in Eisenach hergestellt.

Aufgrund des Zweiten Weltkrieges erfolgte ab 1941 die Einstellung der Automobilfertigung, und die Kriegsproduktion von Motorrädern begann. Außerdem wurden in Eisenach seit 1937 von der neu gegründeten "BMW Flugmotorenfabrik Eisenach GmbH" in einem Werksneubau Flugzeugmotoren gefertigt.

Dieses sogenannte Schattenwerk lag nahe am ehemaligen Herrensitz "Dürrer Hof" zwischen Eisenach und Stockhausen bzw. Hötzelsroda. Ein Teil der Anlagen war unterirdisch angelegt und entstand auch mit dem Einsatz von Häftlingen und Zwangsarbeitern. Zu diesem Zweck bestand das Außenkommando "Emma" des KZ Buchenwald.
Reste und Trümmer aus dieser unseeligen Zeit sind bis heute sichtbar. [2] [3]

In Eisenach wurden schließlich Minenwerfer für den Fronteinsatz hergestellt.
Der Krieg verschonte den Rüstungsstandort Eisenach nicht. Das Werk und die Stadt Eisenach wurden mehrfach Ziel von Bombenangriffen.
Zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Werk in Eisenach zu 60 Prozent zerstört.

Automobilwerk Eisenach nach 1945

Das BMW-Logo um 1948

1945 zogen zunächst die Amerikaner in Thüringen ein. Nach einem "Führerbefehl" hätten die Produktionsanlagen des Eisenacher Werkes zuvor gesprengt werden sollen. Dazu kam es (glücklicherweise) nicht. Da bekannt war, dass nach dem Abkommen von Malta zukünftig die Sowjets in Mitteldeutschland den Ton angeben würden, sind zu dieser Zeit viele führende Köpfe (mit ihnen das Wissen und Konstruktions-Unterlagen) Richtung Westen geflüchtet.

Am 3. Juli 1945 rückte die Rote Armee in Eisenach ein. Die Leitung des Werkes ging an die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD). Das Werk wurde enteignet. Die Fahrzeugfabrik Eisenach wurde ab dem 15. September 1946 als sowjetische Aktiengesellschaft AWTOWELO geführt.

Dem engagierten und beherzten Vorgehen der Eisenacher, vor allem der ehemaligen Belegschaft ist es zu verdanken, dass das Werk (entgegen der ursprünglichen Absicht der sowjetischen Besatzer) nicht demontiert wurde.

Da sich praktisch noch niemand ein Auto leisten konnte, wurden zunächst Leiterwagen mit Stahlspeichen-Rädern sowie aus Heeresbeständen Aluminiumgeschirr angefertigt. Die ersten "Fahrzeuge" nach dem Krieg waren Handwagen und Sackkarren.

Mit der sowjetischen Kommandantur in Berlin wurde hart um den Erhalt des Werkes und die Genehmigung zum Automobilbau gerungen. Die SMAD verlangte den Bau von fünf Musterfahrzeugen in nur einer Woche. Bei den Materialengpässen jener Zeit eine unglaubliche Herausforderung. Mit viel Energie, Handarbeit und organisatorischem Geschick gelang es, fünf BMW 321 innerhalb von nur sechs Tagen in Berlin zu präsentieren. Die Verwunderung bei Marschall Schukow war entsprechend groß. Es erfolgte daraufhin der Befehl Nr. 93 der SMAD, zur "Sicherstellung der Herausbringung der neuen Personenkraftwagen und Motorräder in der Fahrzeug- und Maschinenfabrik Thüringen" [4]

Im November 1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen. Die Fahrzeuge aus Eisenach wurden vorwiegend als Reparationsleistung an die Sowjetunion geliefert. Gefordert waren jeweils 3000 PKW Typ "321" und Motorräder Typ "R 35".

 
 
 
 
BMW 321


Im November 1945, dem ersten Produktionsmonat seit Kriegsende, konnten bereits 14 Pkw und 16 Motorräder gefertigt werden.
Danach wurden verschiedene alte BMW-Modelle praktisch unverändert oder überarbeitet weitergebaut. Zwischen 1945 und dem Produktionsende im Jahr 1950 baute das Werk fast 9.000 BMW 321.

EMW 340 am Leipziger Ring-Messehaus

1948 wurde der EMW 340 entwickelt. Dabei handelte es sich um einen weiterentwickelten BMW 326, der mit einem überarbeiteten Front- und Heckbereich versehen wurde. Dieser wurde in den folgenden Jahren noch weiterentwickelt als EMW 340-2 und auch als Kombi-Version in kleinen Stückzahlen gebaut. Von 1949 bis zum Produktionsende 1955 produzierte das Werk mehr als 21.200 Exemplare der Typen 340 und 340-2. Nachfolgemodelle des EMW 340, die auch einen 6-Zylinder-Viertaktmotor gehabt hätten und bereits als Prototypen gebaut und teilweise schon auf der Leipziger Automobilausstellung gezeigt worden waren, gingen nicht mehr in Serie, da sie technisch zu aufwendig waren.

Auch vom EMW 327, der dem BMW 327 entsprach, wurden zwischen 1949 und 1955 nur etwas mehr als 400 Stück gefertigt. 1952 kam es zur Fertigung einer Kübelwagen-Kleinserie von 161 Stück des EMW 325/2 (P1) [5].

Insgesamt wurden von 1945 bis 1955 etwas mehr als 30.800 Viertaktautos in dem Eisenacher Werk produziert.

Das EMW-Logo löste das blau-weiße Signet ab

Die Produkte aus Eisenach schickten sich an, auch in den westlichen Zonen und europäischen Nachbarländern erfolgreich zu werden; unter dem Namen BMW! Den Münchnern war es hingegen nur mit Mühe gelungen, die Motorradproduktion wieder aufzunehmen.
Vermehrt wendeten sich die Eigner von Autos aus Eisenach mit Reparatur- und Gewährleistungs-Arbeiten an die Vertragswerkstätten der (westlichen) BMW. In München strengte man daher 1951 eine Klage gegen den Importeur aus Düsseldorf an. Der Prozess endete zwar mit einem Vergleich, das Urteil war aber mit der Drohung bewehrt, den Geldverkehr zu sperren.
Den Eisenachern wurde das Führen des Namens BMW gerichtlich untersagt. Das Urteil war ein Gewinn für München und ein Verlust für Eisenach. Der traditionsreiche Name BMW gehörte nach München in das Stammhaus der Marke. Das Ziel der Bayern, den Automobilbau in Eisenach ganz zu stoppen, wurde hingegen nicht erreicht. Die Fabrik blieb und sie durfte weiterhin Autos und Motorräder produzieren. Der Einfallsreichtum der Thüringer ließ nicht lange auf einen neuen Namen warten: Aus den "Bayerischen Motoren Werken (BMW)" wurden die "Eisenacher Motoren Werke (EMW)", aus dem weiß-blauen Rotor auf dem Kühler ein rot-weißer (die Landesfarben Thüringens). Der Rest blieb unverändert...

Nach der Rückgabe aus der sowjetischen Verwaltung wurde das Werk 1952 von der DDR verstaatlicht, der Vereinigung Volkseigener Betriebe VVB angegliedert und zunächst in Eisenacher Motorenwerk (EMW) umbenannt. Das Eisenacher Werk wurde außerdem den ehemaligen Auto-Union-Werken in Zwickau angegliedert.

Zugleich liefen Vorbereitungen, die gesamte Fahrzeug-Produktion in der DDR neu zu gliedern.

Die meisten F9 aus Eisenacher Produktion waren allerdings mit durchgehender Frontscheibe ausgestattet.

Der IFA F9 – Ein DKW für Eisenach

Hauptartikel: IFA F9

Es war vorgesehen, in Zwickau einen Kleinwagen in Leichtbauweise zu fertigen (P70, später Trabant). Die Produktion von Stahlblech-Karosserien in Form der veralteten Vorkriegs-Konstruktion IFA F9 (DKW-Modell mit Dreizylinder-Zweitaktmotor) war für den Standort Eisenach vorgesehen.

Die Eisenacher waren über diese Vorgaben nicht glücklich, hatten sich aber zu fügen. Die Anordnungen waren bestimmt von den damaligen Verhältnissen und wirtschaftlichen Zwängen. Rohstoffe und Treibstoff war teuer, die Zeit für schwere Karossen und Sechszylindermotoren unpassend.

Bald nachdem der IFA F9 in Eisenach 1953 erstmals vom Band rollte, wurde die Karosserie deutlich überarbeitet. So erhielt der F9 auf seine alten Tage eine ungeteilte Frontscheibe und ein deutlich vergrößertes Heckfenster. Das Fahrzeug hatte damit ein deutlich moderneres Erscheinungsbild.
Mit dem F9 entstand in Eisenach ein ungewohnt einfaches und sparsames Auto, das intern in Anlehnung an die BMW-Tradition die Bezeichnung 309 erhalten hat.
Der F9 wurde als Limousine, Limousine mit Schiebedach, Kabriolett-Limousine, Kabriolett und Kombiwagen hergestellt. Außerdem gab es eine Kübelwagen-Variante. Verschiedene Messe- und Ausstellungs-Modelle wurden nicht in Serie gefertigt.

Parallel zur Fertigung des IFA F9 liefen noch einige Zeit die alten EMW-Modelle weiter vom Band.

1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach mit dem bekannten Kürzel AWE. Zugleich wurde die VVB neu strukturiert und alle Fahrzeug-Hersteller unter der Bezeichnung "IFA Vereinigung Volkseigener Fahrzeugbau" zusammengefasst. Unter dem gleichen Kürzel entstand später der Industrieverband Fahrzeugbau (IFA). Die im Verband zusammengeschlossenen Kombinate unterstanden unmittelbar dem Ministerium für allgemeinen Maschinen-, Landmaschinen- und Fahrzeugbau.

BMW-Motorrad

Die Motorrad-Tradition

Ganz in der Tradition der einstigen BMW-Mutter wurde in Eisenach bis 1955 das Motorrad "EMW R 35" hergestellt. Die Maschine war 1937 aus der populären Einzylindermaschine "R 4" entwickelt worden. Das Motorrad verfügte über einen Pressstahlrahmen und eine reibungsgedämpfte Teleskopgabel.
Das 1:6 verdichtende OHV-Triebwerk mit 72 mm Bohrung und langen 84 mm Hub leistete bullige 14 PS bei 4.500/min. In typischer BMW-Bauweise war die Maschine als Querläufer ausgelegt. Der Motor saß nach rechts versetzt im Rahmen, und die Kurbelwelle mit einem Gleit- und einem Kugellager fluchtete mit der Kardanwelle zum Hinterrad. Dazwischen befanden sich eine Trockenkupplung und ein handgeschaltetes Vierganggetriebe, dessen Schalthebel im H-Schema nach Automobilart in einer Kulisse im rechten Kniekissen geführt wurde.
1953 wurde die Maschine deutlich modifiziert und hat als "R35/3" eine ölgedämpfte Geradwegfederung für das Hinterrad erhalten.
Zwischen 1945 und der Einstellung der Motorad-Produktion 1955 baute das Werk 83.000 Stück der R35, R35/2 und R35/3. [6] [7]

Die Rennsport-Tradition

Ausschließlich für den Rennbetrieb wurde der AWE 1500RS gebaut.

Die Nachkriegs-Geschichte des Eisenacher Rennsport-Engagement begann ca. 1950 in Berlin. Hier hatte sich eine Gruppe von Enthusiasten gefunden, die sich mit der Konstruktion von Rennfahrzeugen befasste, um sich an Sportwagenrennen beteiligen zu können. Die Anfänge müssen abenteuerlich gewesen sein. Jemand hatte den Auto Union E-Typ Zwölfzylinder aufgetan, der noch für den Grand-Prix von Tripolis entwickelt worden war. Mit typischer DDR-Improvisation soll manches abgeleitet worden sein...
Erstmals gingen Rennwagen noch unter dem EMW-Zeichen 1951 an den Start. 1952 wurde die Aktivität in Eisenach unter dem Dach des AWE konzentriert.

1955 entstand der erfolgreichste Rennwagen der DDR, der bei internationalen Rennen Erfolge einfuhr. Der 1500RS hatte einen 6-Zylinder-Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen, Doppelzündung und drei Weber-Doppelvergasern. Der Motor leistete bis zu 140 PS. Andere Quellen nennen 167 PS bei 7.500/min. Edgar Barth und Paul Thiel feierten beim Eifelrennen 1955 am Nürburgring mit ihren 1500RS einen Doppelsieg. 1956 gewannen Barth/Rosenhammer mit einem Werks-1500RS die Klasse bis 2 Liter bei den 1000 Kilometer von Paris in Montlhéry.

 
 
Arthur Rosenhammer in einem EMW 1500RS Sportwagen beim 6. Leipziger Stadtparkrennen. Im Hintergrund Heinz Melkus in einem Veritas. (16. Mai 1954)
Fotos: Deutsche Fotothek - Rössing, Roger & Rössing, Renate

Neben dem in Eisenach (Automobile Welt) ausgestellten 1500RS, existieren mindestens noch zwei weitere Exemplare eines 1500RS. Ein Ausstellungsstück befindet sich im Verkehrsmuseum Dresden. Ein weiteres Exemplar ist (betriebsbereit und einsatzfähig restauriert) Teil der Sammlung Walter Degelsegger.

Ende 1956 stellte das AWE (vermutlich auf Anweisung von 'oben') die Aktivitäten im Rennsport ein. [8]

Geblieben war ein bescheidener Spielraum zur Beteiligung an Rallye-Veranstaltungen.


Der Wartburg 311

Hauptartikel: Wartburg 311
Wartburg 311 Limousine

Mit dem IFA-F9 war man in Eisenach nie zufrieden. Die einst so wegweisende DKW-Konstruktion war deutlich in die Jahre gekommen. Das mangelnde Raumangebot, die schlechte Rundumsicht und ein zu kleiner Kofferraum konnten auch durch Retuschen nicht beseitigt werden.

Unter dem damaligen Werkleiter Zimmermann entstand auf der Basis des Typ 309 (IFA F9), ein neuer Wagen. Die Nachteile des F9, mit dem man sich in Eisenach nie wirklich anfreunden konnte, sollten gründlich ausgemerzt werden. Zu einem richtigen Auto gehörte Platz für Passagiere, bequeme Einstiegstüren, ein Kofferraum, der diesen Namen verdiente, sowie eine bessere Sicht als beim veralteten Vorkriegs-DKW.

1955 wurde der erste "Wartburg 311" auf der Leipziger Messe vorgestellt. Der Wagen entwickelte sich zu einem beachtlichen Erfolg und wurde in den folgenden Jahren mit verschiedenen Karosserie-Varianten angeboten. Der Wartburg 311 war zu seiner Zeit ein modernes, fortschrittliches Auto, das auch im internationalen Vergleich bestehen konnte.

Der Wartburg 311 hatte gegenüber dem IFA-F9 eine deutlich vergrößerte, viertürige Karosserie erhalten. Der Kofferraum bot das Fassungsvermögen einer Reise-Limousine. Der Rahmen war um 10 cm verlängert. Das Fahrwerk hatte Teleskop-Stoßdämpfer und eine verstärkte Hinterachse bekommen. Die Motorleistung war um 5 PS gesteigert. Der Wartburg-Motor hatte einen Hubraum von 900 cm³ und leistete bei einer Drehzahl von 4000/min 37 PS. Das Werk gab eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h und einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 9,8 l/100 km an.

Am 2. Januar 1956 (ab Fahrgestell-Nr. 0009/6) war offiziell Produktionsbeginn des Wartburg 311, nachdem bereits seit dem 18. Oktober 1955 eine Voraus-Serie gefertigt wurde.

Im Verlauf seiner Produktion zwischen 1956 und 1965 hat der Wartburg 311 diverse Detail-Verbesserungen und technische Veränderungen
Referenzfehler: Es sind <ref>-Tags vorhanden, jedoch wurde kein <references />-Tag gefunden.